Kleider tauschen statt neue kaufen, Badische Zeitung

von Stefan Mertlik, Mo, 08. Juli 2019

Themengebiet:
Weitere Aktivitäten
  • Kleidertausch Greenpeace
  • /

Artikel auf der Seite der Badischen Zeitung

Kleider tauschen statt neue kaufen und damit nachhaltiger mit Kleidungsstücken umgehen: Bei einer Greenpeace-Aktion in Freiburg wurden an vielen Tischen vor allem Frauensachen angeboten.

Kleidertausch Greenpeace

Kleidertausch Greenpeace

FREIBURG-STÜHLINGER. Greenpeace hat am Samstag eine Kleidertauschparty auf dem Stühlinger Kirchplatz veranstaltet. Interessierte konnten Kleidung mitbringen oder mitnehmen. Damit wollte die Umweltschutzorganisation auf ein Konsumproblem aufmerksam machen.

Obwohl es erst um 17 Uhr losgeht, sind bereits 30 Minuten vorher rund 20 Menschen mit vollen Rucksäcken da. Sie wollen Kleidungsstücke, die sie nicht mehr brauchen, auf den im Kreis aufgestellten Tafeln ablegen. "Die Tische waren schon nach zwei Minuten komplett voll", freut sich Jonas Pyschik, der die Kleiderbörse mit einem Team organisiert hat.

Seit drei Jahren veranstaltet Greenpeace in Freiburg erfolgreich Tauschpartys unter freiem Himmel. Damit will die Umweltschutzorganisation für einen nachhaltigeren Umgang mit Kleidung werben. Auch diesmal ist das Interesse groß. Hauptsächlich junge Menschen wühlen sich durch die Kleidungsstücke. Ein mit Greenpeace-Bannern abgehängter Pavillon dient als Umkleidekabine.

Im Vergleich zur großen Auswahl für Frauen müssen sich Männer mit einem Tisch zufriedengeben. Ein möglicher Grund, so vermutet die Greenpeace-Gruppe: Männer tragen ihre Kleidung, bis sie kaputt ist. Amna Muratagic, die über Facebook von der Aktion erfahren hat, bestätigt diese Vermutung indirekt: "Wenn ich Klamotten die letzten vier Monate nicht getragen habe, werde ich sie auch die nächsten vier Monate nicht tragen." Und so legt die 21-jährige Studentin der Kulturanthropologie Jeans und Oberteile in sehr gutem Zustand auf die Tische. Die 19-jährige Emilia Feldman ist nicht das erste Mal auf der Kleidertauschparty. Sie war bereits früher mit ihren Eltern da. Heute spendet sie mit zwei Freundinnen kleidung. "Ich muss ein paar Sachen aussortieren, weil ich ein FSJ im Ausland mache", so die Abiturientin. Die Tauschparty sei zudem eine gute Alternative zur Altkleidersammlung, da man hier mit den neuen Besitzerinnen in Kontakt komme: "Ich wollte gerade eine Jacke aufhängen, da sprach mich eine Frau an, ob sie die gleich mitnehmen kann."

Andere Besucherinnen sehen das ähnlich: "Lieber hierher als zum Altkleider-Container, weil man da oft nicht weiß, wen die Sachen erreichen", begründet Melina Holzen ihre Teilnahme. Die 27-jährige Einzelhandelskauffrau will Ballast loswerden. Etwas Neues mit nach Hause zu nehmen, sei für sie kein Muss. Kleidungsstücke, die diesmal keine neuen Besitzer finden, werden an das Deutsche Rote Kreuz gespendet. Die Qualität der Kleidung ist gut. Kuriose Teile landen trotzdem ab und zu auf den Tischen, wie Pyschik schmunzelnd berichtet: "Ein dunkelblaues Hemd mit weißen Elchköpfen ist mir noch gut in Erinnerung." Mitorganisatorin Eva Baur verweist auf weiße High Heels, die sie auf einem der Tische entdeckt habe. Ob alle Besucher die Idee hinter der Veranstaltung kennen, weiß sie nicht, sinnvoll sei die Kleiderbörse auf jeden Fall: "Vielleicht gehen die Leute dadurch einmal weniger ins Geschäft, um etwas Neues zu kaufen."