Der Abgrund, der mal Heimat war

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Greenpeace-Fotoausstellung zum Rheinischen Braunkohlerevier tourt durch 21 Städte

 

Fotografien von Jordis Antonia Schlösser zeigen Leben und Protest am Rand der Braunkohletagebaue

 

Eine Zeitreise durch die bedrohten und bereits weggebaggerten Dörfer am Rande des Rheinischen Tagebaus bietet die neue Greenpeace-Wanderausstellung “Der Abgrund, der mal Heimat war” mit Fotografien von Jordis Antonia Schlösser. Geplant sind 21 Stationen durch ganz Deutschland. In Freiburg wird die Ausstellung am 30. September auf dem Platz der alten Synagoge gezeigt, von 14:30 bis 19 Uhr. Die Ausstellung ist kostenlos zugänglich und findet unter Berücksichtigung der üblichen Corona-Schutzmaßnahmen statt (Abstand und Mund-Nasen-Schutz).

 

Der Auftakt fand am 22. September in Keyenberg statt, einem der fünf Dörfer, die nach Plänen des Energiekonzerns RWE der Erweiterung des Tagebaus Garzweiler zum Opfer fallen sollen. “Was im Rheinland geschieht, betrifft uns alle: Um die Klimakrise zu bremsen, muss die Kohle im Boden bleiben”, sagt Bastian Neuwirth, Klimaexperte von Greenpeace. “Unsere Ausstellung zeigt das Schicksal der Betroffenen und macht gleichzeitig Mut, den wachsenden Protest gegen die Zerstörung durch die Kohle zu unterstützen.”

 

Gemeinsam mit Greenpeace hat die Fotografin Jordis Antonia Schlösser eine Ausstellung konzipiert, die Bilder aus den Jahren 2002 und 2019 paarweise gegenüberstellt. Sie lenkt den Blick auf die Menschen, die ihr altes Leben verlieren, auf den wuchernden Tagebau Garzweiler und den wachsenden Widerstand gegen die Abbagerungspläne RWEs. Schlösser kennt das Rheinische Revier seit ihrer Kindheit. Als Fotografie-Studentin und Reporterin kehrte sie immer wieder zu den Gruben und abgebaggerten Dörfern zurück. “So viele Häuser und Dörfer, die ich hier fotografierte, existieren nicht mehr. Alles verschwunden im Nichts. Zu begreifen, was nach dem Bagger kommt, ist fast unmöglich”, sagt Schlösser.

 

Laschet muss Klima und Heimat schützen

 

Noch bis zum Jahr 2038 will RWE im Rheinland Braunkohle abbauen. Weitere 1.500 Menschen sollen für den geplanten Tagebau Garzweiler II umgesiedelt werden; bedroht sind die Ortschaften Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich und Berverath. Aus energiewirtschaftlichen Gründen wäre dies nicht notwendig, denn die Tagebaue liefern auch bei Erhalt der Dörfer deutlich mehr Braunkohle als für die auslaufende Kohleverstromung noch benötigt wird und klimapolitisch zulässig ist. Dies zeigt eine im Mai 2020 veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag von Greenpeace. Um die Pariser Klimaziele einhalten zu können, müssen mehr als  zwei Drittel der von RWE vorgesehenen Braunkohlemengen in den Tagebauen Garzweiler II und Hambach im Boden bleiben. Greenpeace fordert Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) auf, die unnötige Zerstörung der Dörfer zu stoppen. „Mitten in einer sich beschleunigenden Klimakrise muss das sinnlose Opfern von Dörfern für klimaschädliche Kohle aufhören. Armin Laschet muss die Menschen in seiner eigenen Heimat und das Klima vor RWEs Zerstörungswut schützen“, so Neuwirth.

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